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Meatpacking District New York – Stylischer Fleischverpackungsbezirk

Meatpacking District New York City, moderne Architektur

Meatpacking District New York: Stylischer Fleischverpackungsbezirk (6)

Und immer wieder lockt das Fleisch! Auch nach Silvester. In Manhattan Richtung Süden etwas westlich abgekommen, gehe ich vorbei an der New Yorker Hauptpost in die 30. Straße Richtung Hudson. Ich wundere mich aber nur kurz über die mir entgegenkommenden Touristen. Denn plötzlich stehe ich vor der Stahltreppe hinauf zu The High Line. Der „grünen Oase von rauer Schönheit“, wie ein Nachrichtenmagazin vor ein paar Jahren so pathetisch über das Parkanlagenprojekt im Meatpacking District schrieb.
Dort war ich vor zwei Jahren schon einmal, auch bei Dunkelheit. Zufall. Ich meine mich zu erinnern, dass damals bei der 20. Straße Schluss war. Eine kurze Recherche bei thehighline.org zeigt tatsächlich: „June 8, 2011 Section 2 (West 20th Street to West 30th Street) will open to the public.

Meatpacking District New York City, Flanieren auf der High LineBei mäßig kaltem Wind flaniere ich also auf Section 2 southbound auf der ehemaligen 1934 gebauten Hochbahntrasse. Bis 1980 rollten hier Güterzüge mit Fleisch. Die Industrie zog fort, der Meatpacking District verkam.
So wie jetzt im Winter die „grüne Oase“ verkommt. Von Wind, Wetter und Jahreszeit gepeinigte Gräser und Büsche in grauem Beige begleiten mich bejammernswert. Einzig interessant, in geschätzten 15 Meter über Straßenniveau, ist nur die Skyline von New York. Ab und an spitzt sogar das Empire State farbig-keck hervor.

Progressive Architektur im Meatpacking District New York

Meatpacking District New York City, Stylisches WohnenFünf Minuten später bin ich umringt von exzentrisch-moderner Architektur. Bekannte Architekturbüros haben hier atemberaubend schöne Häuser hingestellt. Im Zuge der Gentrifizierung entstanden links und rechts der Hochbahntrasse stylische Wohnungen für den „Champagner-Jetset“ (wieder das Magazin!). Mein spontaner Erstgedanke ist: Will ich auch! Beneidenswert viel Glas, abstrakte Materialien und unorthodoxe Flächenaufteilungen machen so das Wohnen zu einem täglich neuen Trip.

Kreatives im Meatpacking District New York CityWeiter in Section 1 Richtung Beginn der stillgelegten Hochbahn denke ich über das scheinbare Naturgesetz „Die Revolution frisst ihre Kinder“ nach. In den 90ern war der Meatpacking District elendig verkommen. Hier entdeckten Künstler jedoch preiswerte Arbeits- und Lebensräume. Ihnen folgten Szenekneipen, Bars und Kleinkunst. Dadurch machten sie die Gegend attraktiv, woraus sie dann von den Immobilienspekulanten wieder vertrieben wurden. Vollends etabliert hatte es sich dann, als es zur Touristenattraktion wurde.

Trotzdem: Unbedingt „meatpacken“! Und bewundern. Weil dies aufgrund der Privatinitiative „Friends of the High Line“ entstehen konnte. Engagierte New Yorker stellten sich dem Verfall und Abriss der Trasse entgegen und schufen diese Hochbahnoase.

Ich steige daher respektvoll die Stufen zur Gansevoort Street hinab um jetzt etwas zu essen. Nach so viel „meat“ und „meatpacking“ nagt jetzt der Hunger in meinem körpereigenen Meatpacking-District.

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