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Jüdische Viertel New York: Lower East Side und Williamsburg

Jüdische Viertel New York, SynagogeJüdische Viertel New York

»Scholem-alejchem, New York – Hallo, New York, Friede sei mit dir!« In weiten Teilen der Metropole am Hudson ist diese Begrüßung eine Selbstverständlichkeit.

Jüdische Viertel New York nach fünf Einwanderungswellen

Außerhalb Israels hat New York den größten jüdischen Bevölkerungsanteil weltweit. Insgesamt erlebte die Stadt fünf Einwanderungswellen. Erstens spanische und portugiesische Juden, die sich zu Kolonialzeiten im frühen New York ansiedelten. Zweitens deutsche Juden, die Europa während der Revolution von 1848 entflohen. Zudem osteuropäische Juden, die den Pogromen in den 1880 Jahren zu entrinnen versuchten sowie Holocaust-Flüchtlinge aus Westeuropa in den 1930er Jahren. Schließlich russische und ukrainische Juden, die nach dem Fall der Sowjetunion 1990 dem wachsenden Antisemitismus in ihrer Heimat den Rücken kehrten.

Lower East Side

In New York kann man das jüdische Alltagsleben auf verschiedenen Wegen entdecken. Einer davon führt in die Lower East Side im Südosten Manhattans, wohin die Mehrzahl der 1,4 Millionen jüdischen Einwanderer, die zwischen 1880 bis 1910 nach New York kamen, ihr »Shtetl« verlegten. Sie bildeten New Yorks viertgrößte Einwanderungsgruppe. Das erste jiddische Theaterstück wurde 1882 an der Zweiten Avenue aufgeführt – im »jüdischen Rialto«, wie der Straßenzug von jetzt ab hieß.

Im Museum mehr erfahren

Um 1910 machten Juden ein Viertel der New Yorker Gesamtbevölkerung aus. 1917 gab es 800 Synagogen in der Stadt. Diese Welt scheint unter den emporschießenden Wolkenkratzern verschwunden zu sein, doch wenn man genau hinsieht, entdeckt man noch ihre Spuren. Es gibt noch etliche Synagogen und auch einige jüdische Restaurants. Allerdings sind die auf den Straßen zu hörenden Sprachen eher Spanisch und Chinesisch. Um die Lower East Side und ihre Geschichte näher kennenzulernen, empfiehlt sich ein Besuch im Lower East Side Tenement Museum, wo man viel über die jüdischen Immigranten und ihr Leben in dem Stadtteil erfährt.

Williamsburg in Brooklyn

Bereits seit den 1930er Jahren leben die meisten der in New York ansässigen Juden in Brooklyn, genauer gesagt, in Williamsburg. Der halbindustrielle Vorort, in dem sich vor allem aus Osteuropa eingewanderte Juden niedergelassen hatten, erhielt bereits nach der Eröffnung der Williamsburg Bridge im Jahre 1903 weiteren jüdischen Zuzug zunächst aus der übervölkerten Lower East Side Manhattans auf der anderen Seite der Brücke. Diese heißt im Volksmund deshalb auch »The Jews’ Highway«. Williamsburg wurde dann im Verlauf des Zweiten Weltkriegs zum bevorzugten Zufluchtsort.

Orthodoxe Juden

Orthodoxe Juden mit langen Prophetenbärten, Schläfenlocken, Kippas auf dem Kopf oder hohen schwarze Hüten bestimmen dort das Straßenbild. Die jüdischen Bewohner Williamburgs leben hier sehr traditionell. Scheinbar so wie vor Jahrzehnten in Europa vor dem Holocaust. Bei einem Besuch des Viertels an einem Freitag bietet sich die Möglichkeit, das geschäftige Treiben und die Vorbereitungen auf den jüdischen Sabbath mitzuerleben und so einen Einblick in jüdische Traditionen zu erlangen.

Jüdische Viertel New York im Wandel

Heute ist Williamsburg auch ein aufstrebendes Quartier in Brooklyn – und nur eine U-Bahnstation von Manhattan entfernt. Seit das Viertel mit seinen reizvollen Straßenzügen und hellen, bezahlbaren Wohnungen, mit seinen als Maler- und Fotoateliers, Künstlerwerkstätten, Film- und Tanzstudios sowie Architekturbüros verwendbaren Industrie- und Handelsbrachen in den neunziger Jahren von Kreativen und Künstlern aller Couleur entdeckt worden war, hat es seinen Charakter stetig verändert. Sie sollten es unbedingt besuchen.

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