Wenn man New York City hört, fällt einem sofort der Broadway ein. Man denkt an glamouröse Theateraufführungen und Schauspielerkarrieren, die dort ihren Anfang nahmen.
Die Anfänge der Straße selbst liegen fast vier Jahrhunderte zurück. Die über 25 km lange Haupt- und Geschäftsstraße in Manhattan war ursprünglich ein Indianerpfad. Erst die holländischen Siedler bauten den Wickquaekeck-Pfad, wie er damals hieß, in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu einer Straße aus. Sie verbreiterten den südlichen Teil des Weges und nannten ihn Breede weg, woraus dann später unter den britischen Eroberern der Broadway wurde.
Seinen Verlauf hat der legendäre Boulevard im Lauf der Jahrhunderte verändert. Nur von seinem südlichen Ende am Bowling Green, der ältesten Grünanlage Manhattans, bis zur 23. Straße verläuft die Straße noch so wie bei ihrer Entstehung. Zwischen dem Südende und dem Rathaus finden auch heute noch traditionell die „ticker-tape parades“ (Konfettiparaden) zu besonderen sportlichen oder gesellschaftlichen Anlässen statt. Mitten im Finanzviertel steht die unverwüstliche St. Paul’s Kapelle, die nicht nur mehrere Brände, sondern auch den Einsturz der Zwillingstürme des World Trade Centers überstanden hat.
Anfang des 19. Jahrhunderts lag das vornehmste Wohnviertel Manhattans westlich des Broadways. Heute erstreckt sich zwischen Canal Street und Houston Street der Bezirk SoHo mit seinen Kunstgalerien, Museen und Designerläden.
Am Washington Square Park vorbei führt der Broadway zwischen der New York University und dem Astor Place zum Union Square, von wo aus er sich dann als einzige Straße Manhattans schräg durch das ansonsten übliche Rechteckgitter von Downtown nach Midtown schlängelt.
An der Kreuzung mit der 5. Avenue gelangt man dann in die 23. Straße, an der sich auch der Madison Square Park und das markante Flatiron Building befindet. Zu seinen Urzeiten lief der Pfad in Höhe der 23. Straße an der östlichen Seite der Insel entlang und bog an der Nordostecke des heutigen Central Parks Richtung Norden ab. Erst bei den Washingtons Heights ist der Originalpfad wieder deckungsgleich mit dem heutigen Broadway.
Folgt man dem bis zur 34. Straße, kommt man zum Herald Square und zu Macy’s, dem größten Kaufhaus der Welt. Hier war früher auch das Theaterviertel von Manhattan, bevor es sich allmählich an den Times Square verlagert hat. Deshalb heißt die Gegend rund um den Times Square heute auch „Theater District“.
Der Broadway durchquert das Theaterviertel, in dem zwischen der 41. und 53. Straße 38 große Theater liegen. Während die Aufführungen, die dort gezeigt werden, „Broadway plays“ heißen, werden kleinere Schauspielhäuser, die sich etwas abseits des Broadways niedergelassen haben, „Off-Broadway“-Theater genannt. Mittlerweile haben diese Bezeichnung alle kleineren Theater übernommen, auch wenn sie direkt am Broadway liegen.
An der Kreuzung zur 8. Avenue stößt der Broadway auf den Columbus Circle, den einzigen Kreisverkehr Manhattans. Hier, an der Westgrenze des Central Parks, steht das „Time Warner Center“, in dem die Firmenzentrale der Time-Warner-Gesellschaft, luxuriöse Wohnungen und Geschäfte untergebracht sind. Ab dem Columbus Circle ist der Broadway Richtung Norden beidseitig zu befahren, südlich geht das nur Richtung Downtown. Die beiden Fahrbahnen trennt ein baumbewachsener Grünstreifen.
Durch die gediegene Upper West Side läuft der Broadway vergleichsweise parallel zu den Avenues. Hier wohnt heute New Yorks wohlhabende, intellektuelle Elite. An der 107. Straße geht die West End Avenue in den Broadway über und wird zur Hauptstraße des Stadtviertels Morningside Heights, das vor allem für seine akademischen Einrichtungen bekannt ist.
Der grüne Campus der Columbia-Universität liegt gegenüber des Barnard Colleges, wo ausschließlich Frauen aufgenommen werden. Danach zieht sich der Broadway weiter nach Norden Richtung Washington Heights und überquert schließlich an der nördlichsten Spitze Manhattans, zwischen Inwood und Marble Hill, auf der Broadway Bridge den Harlem River.
Auf dem Festland läuft er durch die Bronx und Westchester County, am Hudson River entlang, und wird zwischen der 178. und 179. Straße schließlich zum U.S. Highway 9, der nach Albany, der Hauptstadt des Staates New York, führt.
Info: Neben dem Ur-Broadway in Manhattan und dessen Weiterführung durch die Bronx gibt es auch in Queens, Brooklyn und auf Staten Island eine Straße mit demselben Namen. In Manhattan finden sich außerdem noch kurze, vom Broadway unabhängige Straßen, die East Broadway, West Broadway und Old Broadway heißen.